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Welcome to Singapore, Sir.
Der Kuckuck weiss warum ich mir in den Kopf gesetzt habe nicht mit dem
Flugzeug nach Sdostasien zu reisen. Ich habe mich frs (Fracht)Schiff entschieden. Wenn ein Flugzeug einige Studen Versptung hat, schreit das Volk auf und wird mit Getrnke- und Essensgutscheinen in einer bequemen Lounge entschdigt; hat ein Frachtschiff Versptung, dann wartest du irgendwo Inmitten einer Containerwste an einem Terminal auf einem Betonblock... Problematisch, wenn dann aus der Versptung aus heiterem Himmel eine Verfhung wird, oder anstelle von Italien pltzlich Frankreich und dann doch Spanien angelaufen wird: Du wartest an der falschen Pier aufs falsche Schiff zur falschen Zeit im falschen Hafen. Naja, nach etlichen Verschiebungen samt Dementis in letzter Minute, sinnlosen Zugsreservationen und verfallenen Tickets nach halb Europa samt einer kleinen Odysee in
Marseille, Fos-sur-mer und schlussendlich Valencia hab ich die MS Washington Senator dann doch noch erwischt, ironischerweise gute 16 Stunden zu frh...
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Mal auf dem Schiff ist die Welt dann wieder in Ordnung. Auf einem Containerschiff zu reisen muss man sich wie ein romantisches Pick-Nick auf einer Baustelle vorstellen: Alle um dich herum "chrampfen" und schwitzen, nur du liegst in deiner Hngematte und alleine vom Zuschauen wirst du Mde und Hungrig. Einzig vom "Drk uuf dr Zunge und Schtoub i dr Lunge" wirst du nicht verschont. Naja, der unendliche Horizont, die Sonnen Auf- und Niedergnge und die angenehme Seebrise entschdigen so manches...
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Fr die Statistiker und Zahlenfetis unter euch hier einige Angaben:
Schiffsname: MS Washington Senator (Rufname DEAZ resp.
Delta-Echo-Alpha-Zulu)
Flagge, Kaptain, Offiziere & Reederei: Deutsch
Standardroute (naja...): Mittelmeer - Fernost - Mittelmeer, ca. 63 Tage (La Spezia Fos sur Mer Valencia Gioia Tauro Suez Kanal Jeddah Khor Fakkan Singapur Shanghai Hongkong Singapur Suez Kanal Gioia Tauro La Spezia)
Crew: Philipinos (die sind billig und knnen schwimmen)
Tonnage: 45.470 tdw (das reicht fr ca. 2000 Container)
Lnge\Breite: 216m\32m (5 Aufbaudecks plus 2 UGs)
Reisegeschwindigkeit: max. 22 Knoten (je nach Strmung, entspricht ca. 40 km\h)
Antrieb: Ein Sulzerungetm (Swissmade, von der Crew liebevoll "Susi" genannt) mit 7 bermannshohen Zylindern die schlappe 40'000 Pferdestrken auf einen mit 5m Durchmesser grossen Probeler kitzeln und die Wenigkeit von 100 Tonnen Schwerl pro Tag schlucken. Das ganze ohne Katalysator dafr mit Turbolader.
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Es sei vorweggenommen: Gekotzt und gegen den Wind gebrntzelt wurde nicht, Thor und Neptun waren gndig gestimmt. Doch Susi sollte mit ihren 40'000 Ponys nicht unterschtzt werden: Stellt euch vor, ihr sitzt in einem Metallkonstrukt und im Keller jagt ein verrcktgewordener Cowboy drei Wochen lang 40'000 frisch beschlagene Gule im Kreis umher. Ein Paradies fr Martinis a la James Bond, verkalkte Arterien und Parkinson-Patienten. (Ich kann mir vorstellen dass sich die Vibrationen und das Gezitter gegenseitig neutralisieren)
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Der Schiffsalltag (zumindes als Passagier) erweist sich ansonsten als eher ruhig. Einzig das Einhalten der Essenszeiten, die sporadischen Feuerbungen und die Lebens- resp. die Frauengeschichten des Kapins mssen erduldet werden. Mein Kapitn hatte zwei missglckte Ehen (er plant jetzt seine dritte), ist notorisch mit seinem Job resp. seinen Anstellungsbedingungen resp. mit der heutigen Zeit im Allgemeinen und schifffahrstsspezifischen Gegebenheiten sowieso, sowie den Weibern, den Negern und den Kapitalisten unzufrieden, um nicht frustriert zu sagen, und wettert ber alles ausser dem Wetter. Natrlich kann man nicht 3 Wochen lang das Thema immerwieder aufs Wetter leiten und so zieht man sich als Passagier gerne in seine Kabine zurck. Erstaunlicherweise wird in der Seefahrt die Kabine
"Kammer" genannt, ich nannte meine "mein Appartment", war diese Kammer doch grsser als mein Kmmerlein in der Postgasse ist.
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Allgemein sind in der christlichen Seefahrt die Bezeichnungen eher negativ angehaucht, was den Fachleien meistens zu positiven Ueberraschungen verhilft. So ist zum Beispiel 'die Messe' weder eine kommerzielle Ausstellung noch eine ghnende Vorstellung eines
Gottgesannten, sondern der Speisesahl. 'Die Kirche' wiederum, welche der Kapitn jeden Sonntag zu halten pflegt, ist nicht etwa die Predigt eines gefrusteten Seemanns, sondern ein BBQ auf hoher See oder zumindes ein Parmaschinkenapero mit spanischem Rotwein in der Crew-Bar. (Klar, diese Gelegenheit nutzt dann der Kapitn auch ganz gerne zum 'futtere'.) Der 'Kanibalenfras' ist nicht etwa Jonny oder die Fingerspitze des Kchenchefs sondern 500gr Tartar zum Frhstck auf nchternen Magen. Backbord ist die Gegenseite von Steuerbord, und manchmal hatte ich das Gefhl die Seemnner, vertauschen diese Bezeichnungen je nach Tageslaune...
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Nach knappen 20 Tagen auf hoher See mit einzigem Zwischenstopp in Khor Fakkan (das liegt irgendwo in den Arabischen Emiraten, jaja, der Fahrplan...) gelangt man dann durch die Seestrasse von Melacca, dem gefrchteten Piratengewsser zwischen Malaysia und Indonesien... (Kein Witz anscheinend, denn auf der Brcke flattern halbstndlich Satelitenfaxe mit Warnmeldungen ein, es werden standardmssig alle Aussen- und Innentren verriegelt und bei Nacht zwei Extrawachen back- und steuerbordseitig mit Suchscheinwerfern aufgestellt) ...um dann endlich die Skyline von Singapur am Horizont zu erblicken.
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Singapur oder besser gesagt Singapore: Eine Insel mit schlappen 1000 km2 (Nicht viel mehr als Bern samt Agglo), 8 Millionen einzelnen Schlitzaugen (abzglich den chirugisch retouchierten, also ca. 4.13 Mio. Einwohner), zu 100% urbanisiert (6734 Einw.\km2), mind. 7 Zeitzonen und etliche Lichjahre den Mitteleuropern voraus, an die 25'000 Seemeilen von Valencia entfernt. Politisches System: Sog. Parlamentarische Republik, 'eher' autoritr, da bei den letzten Parlamentswahlen im 2001 die Siegerpartei 82 der 84 Sitze 'gewonnen' hat. Lebenserwartung 77.1 Jahre (Drogendealer nicht miteingerechnet), Bruttoeinkommen $23'350, Landessprachen: Mandarin, Malay und Tamul und soetwas wie English.
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Von der See her kommend ist die Skyline sehr beindruckend, bei nherem Hinsehen fllt einem jedoch auf, dass viele Gebude riesige Feng-Shui Lcher (riesige Ausspartungen fr Gtter und hnliches) haben, sodass sich die Bauingenieure gut ein Drittel der Stockwerke htten ersparen knnen. Auch Bin Laden tat gut daran, die Staaten anzufliegen, seine Trefferquote wre hier vermutlich geringer gewesen...
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Ansonsten fllt in Singapore nicht viel und niemand speziell auf: Der weisse Riese und Wasserfallen htten ihre wahre Freude an dieser Stadt. Umweltschutz in allen Formen wird hier grossgeschrieben (und ist alles andere als Fakultativ, doch dazu spter...): Die Anzahl der Autos ist kontigentiert, es findet jhrlich eine Art Lotterie statt, bei der man eine Autolizenz erwerben kann. (Die eigentliche Lizenz kostet etwa das doppelte des Neuwagenwertes), ein (funktionierendes) Mautsystem taxiert dann noch zustzlich nach dem Verursacherprinzip, kommt noch dazu, dass zu Stosszeiten horrende Extragebhren fr PKWs die mit weniger als 4 Insassen herummkurven gezecht werden mssen. Das Resultat: Die vermutlich einzige Weltmetropole die keine Staus kennt. Eigentlich gut.
Optischer Umweltschutz: Plakatwerbung gibt es hier nicht. Einzige Werbung die anscheinend erlaubt ist, ist die an Bussen und Taxis sowie das Firmenlogo an Geschften, Schaufenstern und Restaurants. Das hat unter anderem den Vorteil, dass man die Verbotsschilder besser erkennt. (Doch dazu spter...)
Akkustischer Umweltschutz (kein Witz): Die Presslufthmmer auf den Baustellen arbeiten zwar rund um die Uhr, jedoch nur mit halber kraft. Das Trommelfeld dankt.
Und jetzt kommts: Ganz freiwillig macht das Fussvolk natrlich nicht mit. Will man sich in diesem Stadtstaat zurechtfinden, gilt die Faustregel: Alles was nicht obligatorisch ist, ist verboten. In Zahlen ausgedrckt:
Rauchen in ffentlichen Gebuden inkl. Shops, Restaurants, ffentlichen Verkehrsmitteln etc.: S$ 500.-- (in der U-Bahn gar S$ 1000.--) Kaugummikauen und -besitz auf ffentlichem Grund: S$ 500.-- (Striktes Importverbot) Littering und Spucken: S$ 500.-- (Auf den U-Bahn Tickets wird ein Depot von S$ 1.-- erhoben) Ueberqueren einer Strasse bei Rot oder nicht genau zwischen den beiden weissen Linien: S$ 500.-- Drogenkonsum: Peitsche und Lebenslnglich, -handel: Todesstrafe. Betteln und Prostitution gibts nicht, Tabak und Alkohol ist unbezahlbar.
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Hey, da ihr Berner glcklicherweise Wasserfallen nicht als Stapi wollt, warum schickt ihr ihn nicht hier ins Exil?
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Genug der Nrgelei: Auch wenn die ganze Gesetzgebung und die Flle von Verbotsschildern etwas restriktiv klingen, als Tourist und Reisender fhlt man sich ganz wohl hier...
Singapur zhlt 140 (!) MC Donalds, doch weit ber 140'000 Restaurants, Food Stalls und Food-Courts. Spotbillig. mhhhh...
Obwohl Amerika ganz schn weit von hier ist, ein bisschen erinnert das ganze an Disneyland oder Shoppyland. Kurze Anektode: Bei meinem ersten Landausflug bin ich an ein Elektrowarenhaus gestossen. Eine riesige Flche - mindestens so gross wie der gesammte LOEB, Globus und Rifflyhof zusammen - die nur aus dutzenden wenn nicht hunderten von einzelnen Elektro- und Computershops bestand. Klar liess ich mir das nicht entgehen und schlenderte mind. eineinhalb Stunden duch jeden Verkaufsladen. Mein Ego liess es nicht zu, auch nur einen Shop auszulassen. Gesagt-Getan und als ich dann vllig dusselig, gesttigt an Elektrosmog und verdigitalisiert den Ausgang suchte, gelangte ich zu einer Rolltreppe und musste schmerzlich feststellen, dass es noch 6 weitere Etagen zu besichtigen gab! Mannomannomann!
Ueberhaubt haben die Warenhuser und Kaufparadiese hier ganz andere Dimensionen: Kein Konsumtempel der nicht weniger als 5 Stockwerke hat, meistens ber mehrere Gebudeblocks verteilt & verkoppelt, und jedes Haus versucht seine Konkurrenten mit einem zustzlichen Stockwerk zu toppen. Sei's mit einem Kinokomplex mit ber 20 Slen im obersten Stock, oder einer Beautyetage samt chirurgischer Abteilung oder einem Gameflche von x-1000m2...
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Singapur erhlt definitiv das Luc'sche Prdikat 'Krass', und ginge meine Skala noch bis 'Fanatischabsurdgeknalltbldsinnigkrass' so wr dieser Stadt auch diese Auszeichnung gewiss.
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Morgen gehts mit dem Zug erster Klasse ca. 700km weiter nrdlich nach Malaysia, Kuala Lupur. Dort solls auch hohe Trme haben, die hchsten um genau zu sein. Das Ticket kostet soviel wie Bern-Thun einfach mit Halbtax und Gleis7 samt Familenkarte. Mal schauen ob's dort auch noch 33 Grad ist. (hahaha...)
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Und was gibt's bei euch zu lachen? Wie ergehts Kollers im Sahnenweidli? Kalt? Wer wird schwiizer Musigstar? Wie stehts mit der Pnktlichkeit der Schweizer Staatsbahnen? Feuchterhundgeruch bei BernMobil?
Ach so: Fotos sagen mehr als tausend Worte. Wrd ich diesem E-Mail Bilder anhngen, htt' ich mir diesen ganzen Roman sparen knnen. Und auf Postkarten knnt ihr lange warten! (Ne Webseite mit ganz villi Bildli gibts dann diesen Fhling mal...)
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