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Hola!
Nundenn, soviel steht fest: Der Atlantik ist scheissegross und sicher nicht nur acht Flug-Stunden breit. Aber dazu spter.
Nundenn, dass der Cisalpino mit Versptung in Milano ankommt und ich meinen Anschluss nach Genua verpasse war anzunehmen und wre bei einer geplanten 4monatsreise auch nicht weiter tragisch, doch ob mein "Anschluss" - die "MV CMA-GGM VENEZUELA" - auf mich warten wrde war dann doch eher unwahrscheinlich... Nunja, ein bisschen stolz auf meine audio-krypischen Fhigkeiten war ich dann schon, als ich im lrmenden Hauptbahnhof von Genua via stockigem SwisscomMobile/MovieStar Italy/FranceInterSat-Roaming im schitteren Philopino-Englisch die Worte "EAT Nineteenhundret", "Mogadischu" und "south" enschlsseln konnte und nach zwei kurzen Espressi und einem lngeren Sinieren daraus schloss, dass dies die anzunehmende Ankunftszeit und der Name der Anlegepier meines Frachters sein knnte. Die
Hrde, einem bereifrigen genovesischen Taxifahrer klar zu machen dass ich nicht nach Ostafrika, sondern zum Hafen will schaffte ich dann irgendwann auch noch und als er es dann endlich kapiert hatte schaffte er es dann im Gegenzug entgegen allen Sicherheitsmassnahmen und -schranken doch tatschlich bis an die ersten Schiffstaue der MV CMA-GMG VENEZUELA. Die Begrssung an Board war zwar herzlich aber fr mein Informatikerhndchend doch eher schmerzhaft und lig... Und am nchsten Morgen beim Frhstck in der Offiziersmesse begriff ich dann auch, dass der nette kleine Philipino neben mir fr die nchsten drei Wochen nicht nur mein Tischgenosse, sondern mein Kapitn sein wird und alles an ihm hngen wird, ob ich in PANAMA an Land oder im Bermudadreieck untergehen werde. Soviel vorweg
genommen: Der Mnn hat seinen Posten mit Bravour gestanden und wer ihn ein bisschen besser kennenlernt (notgedrungen als einziger Passagier auf einer 3wchigen Seefahrt) traut ihm auch durchaus zu, dass er sein Schiff als letzter verlassen wrde, oder dann gar nicht.
Die erste echte Begegnung an Bord war der Kchenjunge (im Nebenamt brigens mein persnlicher Steward) doch leider sprach der entweder kein Englisch oder zumindest kein verstndliches. Seine Bordeinfhrung bernahm sein Boss, der Manschaftskoch. Der Cookie mags wenn man ihm 'Bernie' sagt, einsamer Kmpfer gegen eine Horde Kakalaken, (was ihm sehr peinlich ist und man besser daran tut, als ob man diese nicht bemerkt, was einem nicht immer leicht fllt) Er ist vermutlich die 2.wichtigste Seele an Board. Nachmittags hrten wir oft gemeinsam meine mitgebrachte Lern-CD Spanisch lernen mit The Grooves: Groovy Basics. Er wiederholt die deutschen Ansagen, ich die Spanischen. Beide Akzente mssen fr Aussenstehende frchterlich tnen, wenn wir gleichzeitig sprachen, tnts wie Philipinisch,
oder zumindest Pinguinisch. (Mein Lieblingswort auf Spanisch ist Sonnenbrille: Las gafas del sol. Das passt doch irgendwie.)
Nebst dem 'Second Master' und dem 'Third Master' - beides blutjunge, recht unerfahrene Philipinos die irgendwann mal Anwrter auf den Kapitnsposten sein wollen und somit eigentlich lediglich 'Lehrlinge' sind - ist der 'First Engeneer' wohl auch noch recht wichtig. Den bekommt man eigentlich nur zu Essenszeiten zu Gesicht, vorausgesetzt er nimmt nicht gerade die gesamte Maschine auseinander um festzustellen, dass das Ersatzteil fehlt. Die drei Mann 'untertage' (also erster, zweiter und dritter Ingenieur) waren brigens abgesehen von mir die einzigen Nichtphilipinos, sprich Ukrainer. ('Die Russen im Keller', das kennt man doch von irgendwo...) Die Jungs verbringen eigentlich die ganze Reise im ohrenbetubenden, vergasten Maschinenraum unter der Wasserlinie bei ca. 45 Grad... Alle drei
sehen aus wie eine Mischung aus den letzten MIR-Langzeitkosmonauten und den einzigen berlebenden der Kursk.
Am 3. Tag dann die Meerenge von Gibraltar - quasi die Vikoriaplatz- oder die Burgerenziel-Kreuzung bei Stosszeit fr die Mittelmehrschifffahrt: Augen zu und durch. Was anderes gibt es bei einem Bremsweg von 12 Seemeilen gar nicht. Da gibt es zwar sowas wie ein Kontrollzenturm auf der Spanischen Seite, doch was kmmert das die Marokkaner mit ihren Fhren in der Diagonalen, die Fischer die sowieso keinen Funk haben oder die Fracher die alle chonisch in Verzug sind? Die Kollisionsanzeige des Boardradars erhellt dann irgendwann mal die ganze Brcke und vor lauter ZigZag-Kurs weisst du dann bald nicht mehr welches Leuchtturmfeuer jetzt zu Marokko und welches zu Spanien gehrt. 'Hilf dir selbst sonst hilft dir das Kontrollzentrum sicher nicht' scheint die Devise zu sein und so funken sich
die grossen Schiffe ihre Kursnderungen im mehr oder weniger harten Befehlston. Irgendwann mal waren wir durch und der Kapitn fluchte dann noch was von Fucking Chineese, they don't speack English, das Kontrollzentrum auf Tarifa meldete dann noch was unverstndliches von wegen chschchschchsch elloello Tarifa traffico chschchschchsch und das Mittelmeerchen war uns los. Danach 10 Tage Autopilot auf Kurs 241.
Mir wurde gesagt, dass wir 18 Mann plus mich an Board sind. In Tat und Wahrheit waren wir bis zum 4. Seetag 20 plus mich. Danach wurden die 2 zustzlichen vom Kchenjungen wie Rstabflle ber Board geschmissen - obwohl sie sehr platzsparend in zwei Urnen untergebracht waren. Das weisse Kapitnshemd und die in Plastikfolie verschweisste Holy Bible htte man sich womglich sparen knnen. Ich stand zigarettenrauchend daneben, hab eigentlich erst danach kapiert was das htte sein sollen. Der Kapitn verschwand dann nach einem Digitalphoto als Beweis fr den Bestatter sogleich wieder und fluchte was von I dont like this, a lot of paper work. Naja, soll sich jeder sein Ende selbst aussuchen.
Am 7. Tag stand nach einem nicht enden wollenden Alarm die Maschine pltzlich still, das Zittern und Schlottern des ganzen Schiffes verschwand und nach ca. einer halben Stunden und etlichen ohrenbetubenden Alarmen spter tmpelte der Kahn nur noch vor sich hin... in Mitten vom berhauptgarnnichts. Komisches Gefhl: Einerseits war nun dieses Flughafenrollband-Feeling weg und man kam sich irgendwie bleischwer vor, andererseits wars fr mich wie eine Wiedergeburt: Krass Mann, htte ich nun tatschlich das Flugzeug nach PANAMA genommen, msste ich jetzt mit meinem Sitznachbarn um die Sauerstoffmaske kmpfen oder seine Beichte abnehmen um dann mit irgendwelchen pansichhysterischkeischenden Weiber vorbergelehnt die Oberschenkel umklammernd meinen eigenen Film im fastforward betrachten
Nundenn, whrend der 1. Ing. in etwa genau dies als einziger durchlebte, gnnte ich mir ausnahmsweise 3 Bier und stiess auf die christliche Seefahrt an! Die Philipinos (ausser dem Kapitn der dem Charterer und Schiffseigner die Versptung melden musste) freuten sich auf eine 'Pissing-Party' (nach drei Wochen Philipino-Englisch weisst du, dass du das 'P' in ca. jedem zweiten Wort mit einem 'F' ersetzen musst, dann macht's auch Sinn.). Ein paar Stunden spter hatte der Mann dann die defekte Einspritzdseweissnichtwas ausgewechselt, sein Gesicht wechselte wieder vom MIR- in den Kursk-Zustand und das beruhigende, vertraute Zittern und Schlottern begann von Neuem und wir nahmen wieder Fahrt auf. Kurs 'two-four-one', der Abendsonne entgegen, what else?
Neue persnliche Bestmarke. Vorausgesetzt ich verschlafe das Frhstck nicht, schaffe ich 3 Nickerchen: Eines nach dem Frhstck, eines vor dem Lunch und dann ein ausgedehntes nach dem Lunch.
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